Von der Gmain zur Großgemeinde

Eine altbairische Gmain war in erster Linie eine bäuerliche Gemeinschaft, die ihr Zusammenleben durch die Versammlung der Nachbarschaft regelte. Von tragender Bedeutung war für die Dorfgemeinschaft die Ehaft (Realgewerberecht), ein örtliches Recht. Die vier Vierer (zwei Bauern und zwei Gütler) als Vertreter der Gmain hatten 1806, im neuem Königreich Bayern unter Max I. Joseph, ausgedient. Staatlich (königlich) vorgeschrieben war nun ein gewählter Vorsteher mit Gemeinderat. Ab 1870 wählten die Rohrbacher einen Bürgermeister und 1996 mit Dieter Huber den ersten hauptamtlichen Bürgermeister. 1978 formte die Gemeindegebietsreform aus den Gemeinden Waal (Ossenzhausen), Rohr (Rinnberg), Gambach, Fahlenbach (Buchersried, Fürholzen) und Rohrbach (Ottersried, Straßhöfe der Gemeinde Burgstall) die Großgemeinde Rohrbach. Drei ehemalige Hofmarken, zugleich alte Adelssitze, bilden nun die Großgemeinde: Buchersried, Fahlenbach an einer alten Salzstraße gelegen, mit Grabfunden aus der Merowingerzeit (5. Jahrhundert bis 751) und Rohrbach. Das Martinspatrozinium in Fahlenbach verweist in die Karolingerzeit und dürfte sicher in das 9. Jahrhundert zurückreichen. Fahlenbachs erste urkundliche Erwähnung der Ebersberger Grafen, die anno 1037 Fahlenbacher Bauernhöfe an das Benediktinerinnenkloster Geisenfeld stifteten, eröffnet die Aussicht auf ein baldiges großes, rundes Feier:

 

 

Das Ensemble mit Schloss, Kirche St. Johann Baptist und Tafernwirt 1995

Eine Eintausendjahrfeier 2037 in Fahlenbach!

Die Geschichte unserer Orte ist aber auch die Geschichte ihrer Bevölkerung, der Bauern, Tagwerker, Handwerker, Arbeiter und Geschäftsleute. Auf drei große Männer kann Rohrbach besonders stolz sein. Pfarrer Nagel von Rohr, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Forscher der älteren bayerischen Geschichte. Johann Andreas Schmeller, mit seinem Lebenswerk, dem Bayerischen Wörterbuch und Franz II. Edler von Koch, der sich als Fachmann für den Hopfenbau (Präsident des Deutschen Hopfenbauverbandes) und den Aufbau der Demokratie nach dem Kriege als unentbehrlich erwiesen hat. Auffallend, wie sich Alter und Lebensweg von Konrad Adenauer (1876–1967) und Franz II. (1875–1965) in dieser schweren Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gleichen. Die Nationalsozialisten enthoben Adenauer 1933 von seinem Amt, als Oberbürgermeister in Köln und auch Franz von Koch, stets kommunalpolitisch tätig, legte mit der Machtübernahme Hitlers alle öffentlichen Ämter nieder. Nach Kriegsende 1946 wurde Franz II., im hohen Alter von 71 Jahren, zum ersten demokratisch gewählten Landrat des Landkreises Pfaffenhofen ernannt und schied 1958 im Alter von 83 Jahren aus dem Amt. Adenauer, 1876 geboren, wurde 1949 zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (von 1951–55 zugleich Außenminister) gewählt und schied 1963 im Alter von 87 Jahren aus dem Amt. Beide starben im, für die damalige Zeit, biblischen Alter von über 90 Jahren.

1150 JAHRE ROHRBACHER GESCHICHTE von Wilhelm Kaltenstadler und Hermann Schwarzmeier