Vier Männer, vier Stühle, vier Mikrofone und ein Arsenal an Instrumenten – mehr brauchte es am Mittwochabend, den 15. Mai nicht, um eine ausverkaufte Turmberghalle bestens zu unterhalten. Kult-Kabarettist Gerhard Polt gab sich zusammen mit den drei Well-Brüdern aus’m Biermoos in Rohrbach die Ehre und stellte das aktuelle Programm „Im Abgang nachtragend“ vor. Gerhard Polt tritt mittlerweile selten auf. Dass er im Festjahr nach Rohrbach gekommen ist, verdanken wir Gastwirt Karl Zeidlmaier, der mit dem Quartett gut befreundet ist und den Kontakt hergestellt hat.

Der Abend lebt vom spannenden Wechselspiel aus musikalisch-satirischen Einlagen der Well-Brüder und Polts gewohnt „g’scherter“ Zunge. Auch wenn Gerhard Polt manchmal wie unbeteiligt daneben sitzt, bilden die vier dennoch eine Einheit. So überlegt Polt laut und spielt den tatterigen Bierdimpfel: „Wann war das noch gleich …“ „Gestern,“ antwortet Michi Well wie beiläufig. Die Lacher im Publikum bleiben nicht aus. Urkomisch Polts tiefenpsychologische Erklärung, warum die „Oide“ vom Löschwinter Kare nicht zugibt, dass er ein Depp ist, obwohl sie es doch genau wissen müsse. Polt meint, dass eine Frau schnell so an Depp’n heiratet, aber auch ebenso schnell merkt, „welchen Schrott sie an Land gezogen hat“ und das aus Stolz nie und nimmer zugeben würde. Auch nimmt er den verhassten Menschen-Typus „Nachbarn“ aufs Korn, der umso schlimmer ist, wenn er zugleich Künstler ist und sich partout nicht an die häusliche Grillverordnung hält. Er persifliert einen indischen Priester und hält eine Hasspredigt auf den Kormoran, wobei er sich mal so richtig aufregt und in Rage redet. „Ich hoffe, dass der Gedanke bei dem, was ich sage, auch Schritt halten kann.“

Die Well-Brüder sind dabei nicht minder „g’schert“ und verheizen musikalisch den Bauern, der immer Grund zum Jammern hat. Das Jammern habe der Bauer schon von klein auf gelernt, da er Steine ins Flascherl bekommen habe. Wahre Spielfreude ist auf der Bühne zu sehen, als das Musiker-Trio die bayerische Weltgeschichte der letzten 70 Jahre durchläuft oder „Händels Große Feuerwehrmusik“ zum Besten gibt. Georg Friedrich Händel soll nämlich auf seinem Weg von Wien nach London Hausen – den Heimatort der Well-Brüder – passiert haben. Ein Glück, dass er dort mit der Postkutsche einen Unfall hatte, denn so konnte er zum 125-jährigen Jubiläum der hiesigen Feuerwehr tatsächlich die „Große Feuerwehrmusik“ komponieren. Summa summarum erlebt das Rohrbacher Publikum vier Künstler in Bestform und einen witzigen, unterhaltsamen, bissigen, zum Teil bitterbösen Abend, der dem großen Jubiläum „1.150 Jahre“ mehr als gerecht wurde.