1150 JAHRE ROHRBACHER GESCHICHTE

von Wilhelm Kaltenstadler und Hermann Schwarzmeier

Die Herrschaft von Rohrbach

Es sind immer die Menschen, die Orte und ihre Geschichte verändern und zweifelsfrei sind die Verantwortlichen daran zu messen. Begonnen hat alles mit der Rapotonin Peretkund 869. Im urkundenarmen 10. Jahrhundert schweigen die Quellen. Erst im 11. Jahrhundert gibt es erste Urkunden, die auf das Geschlecht der „Rorbekhen“ hinweisen. Beinahe sieben Jahrhunderten, vom Mittelalter bis 1709, lenkten die vom Geschlecht derer von und zu Rohrbach sowohl Geschicke als auch Geschichte unserer Heimat. Ihnen folgten die Grafen von Perusa, die Freiherrn von Dürsch und die Edlen von Koch.

Die Bauern freilich veränderten die Flur durch Rodung der Ausläufer des Feilenforstes und versuchten die nassen Ilmtalwiesen zu nutzen. Das „Ehaftrecht“ ordnete das Zusammenleben der 1445 zu einer Hofmark zusammengefassten Bauerndörfer. Seit dem 19. Jahrhundert liegt die Verantwortung der Dorfentwicklung bei den gewählten Gemeindevertretern: Bürgermeister
und Gemeinderäte. Unser Rohrbach, eine Gemeinde mit seiner weit über 1000-jährigen Geschichte, liegt mitten im Herzen des Landkreises Pfaffenhofen. Die erste urkundliche Erwähnung finden wir im Freisinger Traditions-Codex anno 869, als eine Nonne mit Namen „Peretkund“ ihren Besitz „ad Rorpahc“ dem Dom (Altar) zu Freising tradiert (schenkt).

Wappen derer
von Rohrbach

Anlass, auf 1150 ereignisreiche Jahre zurückzublicken

In dem urkundenarmen 10. und 11. Jahrhundert wird vor 1100 wieder eine mulier libera (freie Frau) erwähnt – „Oza de Rorbach“. Spätestens seit dieser Zeit, bis zu ihrem Aussterben 1709 im männlichen Stand durch „Johann Heinrich Moriz von und zu Rohrbach“ waren die „Rorbekhen“ Herrn auf Rohrbach. Auf dem nahen Turmberg stand ihre „Sporenburg“. Nach deren Zerstörung errichteten „Moritz und Georg von und zu Rohrbach“ im 16. Jahrhundert ein gotisches Landschloss im Ort, wie es der Weningstich von 1701 zeigt. Den alten gotischen Herrensitz der Hofmark Rohrbach ließen die Nachfolger, die Freiherrn von Dürsch, 1734–37 in ein Barockschloss umgestalten. Die Hofmark war arg heruntergewirtschaftet, als diese der königliche Finanzdirektor Alois Koch 1816 erwarb. Ein Jahr später erhob man ihn als Edlen Alois von Koch in
den Adelsstand. Noch immer, über 200 Jahre, sitzen die adeligen Besitzer auf dem vor der Jahrtausendwende von Franz III. und Eleonore von Koch renovierten Schloss. Sie halten es in Ehren zum Glanze des prächtigen und im Landkreis einmaligen Ensembles von Schloss, Kirche und Tafernwirt in Rohrbach. Also, der adeligen Herrschaft, dem Sitz der Gläubigen und im
Wirtshaus hatten die Bauern das Sagen. Die Urkatastrophe des 17. Jahrhunderts brachte einen radikalen Einschnitt im mittleren Ilmtal, den nur ganz wenige Bewohner überlebten. Das war der Dreißigjährige Krieg mit den Schwedeneinfällen 1632–35 und der Pest. Die völlig entvölkerten Höfe erwarben nun Bauernsöhne aus Tirol, Chiemgau und aus dem Salzburger Land. Um 1800 kamen dann Rheinpfälzer und Oberpfälzer und nach dem zweiten Weltkrieg Flüchtlinge und Vertriebene aus Ungarn, Sudetenland, Schlesien und Ostpreußen. Neben Fleiß und Arbeitseifer brachten einige von ihnen noch etwas mit, den evangelischen Glauben, dessen Eingliederung ohne Konflikte geschehen konnte. Allenfalls waren wir Katholiken beim Religionsunterricht in der Schule etwas neidig, weil die Evangelischen heimgehen durften.

Wappen der
Grafen von Perusa
Wappen der
Edlen von Koch
Wappen der Freiherrn
von Dürsch
1150 JAHRE ROHRBACHER GESCHICHTE von Wilhelm Kaltenstadler und Hermann Schwarzmeier